19. Pflegestellen
Liebe Tierfreunde und die, die es inzwischen vielleicht geworden sind
Jedes Mal, wenn ich zum Gassigehen ins Tierheim komme, dann fällt mir immer wieder im Eingangsbereich ein Aushang mit dem Hilferuf nach Pflegestellen auf. Daher habe ich mich entschlossen, nachdem ich mich bei der Tierheimleitung darüber erkundigt hatte, meine Kolumne diesem nicht zu unterschätzenden Thema zu widmen.
Mein Gespräch mit der Tierheimleiterin hat dies bestätigt.
Es gibt viele „Felle“, denen solch eine Pflegestelle vielleicht für nur kurze Zeit oder sogar für immer größeres Leid ersparen könnte.
Ich denke, jedes Tier, das von seinem Besitzer, egal aus welchen Gründen im Tierheim abgegeben wird, leidet schon allein unter dieser Situation. Die meisten, so denken wir, kommen mit dem Tierheimalltag ganz gut zurecht. Aber die Tiere können uns ihre Gefühle und Ängste ja zumindest nicht „sprachlich“ mitteilen. Wir haben jedoch oft optisch den Eindruck, es geht Ihnen gut. Zumal ja auch alles, was möglich ist, dafür getan wird.
Aber es gibt immer wieder Tiere, die unbeschreiblich unter der Tatsache, dass sie ihre Menschen und ihr Zuhause verloren haben, leiden. Oder zum Beispiel Katzen. Nicht jede Katze kommt, wenn sie in einem Raum mit vielen anderen leben muss – so wie es ja Alltag in vielen Tierheimen ist - mit ihren Artgenossen aus.
Manchmal werden ja auch schon kranke Tiere ins Tierheim gebracht, die dann in Quarantäne, d. h. allein in einem Raum untergebracht werden müssen. Für diese Tiere wäre eine Pflegestelle ganz toll. Dort könnten sie noch besser als im Tierheim umsorgt werden. Sie würden sicher schneller wieder gesund und dementsprechend auch schneller vermittelt werden.
Aktuell hat mir unsere Tierheimleiterin einige „Felle“ genannt, für die sie dringend eine liebevolle Pflegestelle sucht. Zum Beispiel ist da der Kater Leon. Er hat eine leichte Behinderung und dadurch wahrscheinlich keine guten Vermittlungschancen. Aber trotz allem ist er ein liebenswertes Tier. Für ihn wäre es schön „Pflegeeltern“ zu finden, die ihn so nehmen wie er ist, ihn eben einfach bei sich leben lassen.
Oder Kaninchen Columbus. In der Regel sollte man Kaninchen ja nicht alleine halten. Hier ist es jedoch so, dass er gesundheitsbedingt nicht zu seinen Artgenossen kann. Auch für ihn wäre es toll, wenn er eine Pflegestelle finden und man ihn dort aufpäppeln würde.
Aber es gibt sie, Menschen, die bereit sind, ein oder manchmal sogar mehrere Tiere in Pflege zu nehmen.
So ein Glück hatte z. B. Harro, 13 ½ Jahre.
Ende Oktober 2007 wurde er im Tierheim abgegeben. Ein Hund - groß, schwarz, alt. Sein Herrchen war verstorben und dessen Erben wollten ihn, Harro, nicht behalten. So wurde er wohl für längere Zeit, aber ohne besondere menschliche Ansprache sich selbst überlassen und meist im Garten gehalten. Dann brachten sie ihn zu uns ins Tierheim. Dort saß er dann und verstand die Welt nicht mehr. So jedenfalls machte er auf mich den Eindruck. Ich sah ihn immer, wenn ich zu meinem Gassihund ging, dann musste ich an seinem Zwinger vorbei. Mit traurigem Blick schaute er dann meist aus seinem Körbchen oder saß manchmal auch abgewandt, den Blick zur Wand, so als wollte er keinen mehr sehen.
Aber Harro war auch krank. Jedes Tier, das zu uns ins Tierheim kommt wird erst einmal gründlich tierärztlich untersucht. Dabei stellte man fest, dass Harro an einer Herzkrankheit litt. Da dies scheinbar vorher nicht bekannt war, konnte erst jetzt mit der Behandlung, vielleicht schon zu spät, begonnen werden.
Harro hatte, wenn auch nur für kurze Zeit, noch das Glück, eine tolle Pflegestelle zu finden. Für 4 Wochen konnte er noch einmal erleben, was es heißt ein schönes Zuhause zu haben und geliebt zu werden. Der alte Hundeherr hat es sogar noch gelernt, sich an die Katze des Hauses zu gewöhnen.
Leider ist er nach schon 4 schönen Wochen, die er auf seiner Pflegestelle noch genießen konnte, plötzlich gestorben. Aber er war nicht allein – sein Pflegeherrchen war bei ihm.
Harro war ein toller Hund!
Also meine Bitte an Sie. Wenn Sie Zeit, Platz, vielleicht auch schon Erfahrungen mit „Pflegefellen“, sich das zutrauen und ein Herz für Tiere haben, dann melden Sie sich bei der Tierheimleitung. Rufen Sie an oder kommen zu einem Gespräch direkt ins Tierheim. Wenn Sie sich für eine Pflegestelle entscheiden, werden Sie nicht allein gelassen, Sie bekommen Unterstützung in jeglicher Hinsicht.
Vielen Dank.
Herzliche Grüße Ihre Tierfreundin
Marion Hame