28. Junior

Liebe Tierfreunde und die, die es inzwischen vielleicht geworden sind  …

In meiner letzten Kolumne berichtete ich von Pascha, der das große Glück hatte, noch einmal ein neues und schönes Zuhause gefunden zu haben.

Dieses Mal liegt mir ein anderer Senior am Herzen – Junior. Dem Namen nach noch jung, in Wirklichkeit aber auch schon 13 Jahre alt. Er hat das Pech, nicht zum ersten Mal bei uns im Tierheim zu sein. Die genauen Abgabegründe in der Vergangenheit weiß ich eigentlich nicht. Jedoch beim letzten Mal kam er vorerst nur zur Pension.

Sein Frauchen war wohl krank und gab ihn wie schon einmal zur Pension bei uns ab. Als die Zeit jedoch heran kam, zu der er wieder nach Hause geholt werden sollte, kam keiner. Lange Zeit hörte man nichts von seinem Frauchen. Auf Telefonate gab es keine Reaktionen. Nach den dann intensiven Nachfragen und nicht mehr locker lassen von Seiten der Tierheimleitung wurde es dann jedoch zur Gewissheit, dass er nicht mehr gewünscht war und leider im Tierheim bleiben musste. Obwohl er dort gut versorgt wird, leidet Junior sehr unter dem Tierheimalltag.

Jeden Abend, wenn ich ihn nach dem Gassigehen zurück bringe, werden seine Schritte in Richtung Tierheim immer langsamer. Oft versucht er die Richtung zu wechseln (nur weg vom Tierheim), bleibt stehen und schaut mich traurig an. In seinen Augen lese ich dann die Frage, musst du mich wirklich zurück bringen? Man merkt, er möchte nicht zurück ins Tierheim.

Meine große Bitte und Frage: Kennt nicht einer von Ihnen vielleicht eine allein stehende Person, die nur halbtags arbeitet oder ein älteres Paar, die auch noch gern spazieren gehen und sich dies mit einem Hund vorstellen können?

Auf Grund seines Alters genießt Junior doch schon seine Ruhe. Eine Familie mit Kindern wäre sicher zu turbulent für ihn.

Ich weiß, dass er sich in Haus oder Wohnung völlig ruhig verhält. Ab und zu mal nach „seinen“ Menschen schaut, was sie machen oder ob sie noch da sind, aber ansonsten völlig unproblematisch ist. Man kann ihn auch streicheln, wobei er kein reiner Schmusehund ist. Es gefällt ihm schon, mal gekrault zu werden, aber man darf es halt nicht übertreiben. Notfalls zeigt er es auch (er weicht zurück, wenn er kann oder zieht auch schon mal die Lefzen hoch, dies aber wirklich nur dann, wenn er keine Rückzugsmöglichkeit hat).

Nachts schnarcht er wohl. Aber warum soll dieses Privileg nur uns Zweibeinern vorbehalten sein.

Vielleicht fragen Sie jetzt, warum ich Junior nicht bei mir aufnehme. Sie können mir glauben, ich habe diese Möglichkeit schon unzählige Male in Erwägung gezogen. Manch einer sagt, alles andere ist besser als im Tierheim zu sein. Ich weiß es nicht, ob das wirklich so ist. Er wäre bei uns mindestens 9 Stunden allein Zuhause und ich denke, das wäre keine gute Lösung. Ins Büro darf ich ihn leider nicht mitnehmen. Wenn diese Möglichkeit bestünde, dann wäre es vielleicht eine Alternative gewesen.

Eine andere Möglichkeit wäre auch die Unterbringung auf einer Pflegestelle. Das schwierige daran ist nur, falls es dort schon Tiere gibt, weiß ich nicht, ob er sich mit diesen vertragen würde. Bei unseren täglichen Spaziergängen treffen wir oft auch andere Hunde, bei denen Juniors Reaktionen unterschiedlich sind. In der Regel verträgt er sich mit ihnen. Manchmal bellt er sie jedoch schon von weitem an oder er entscheidet sich kurzfristig nach Sekunden des Beschnüffelns – nein dich mag ich nicht. Dann muss man entsprechend reagieren.

Also, liebe Tierfreunde, ich denke, Sie sehen, dass mir Junior sehr am Herzen liegt.

Ich wünsche mir so sehr, dass sein Tierheimaufenthalt vielleicht doch recht bald zu Ende ist und er, so wie Pascha, Buddy, Sheila und all unsere vermittelten Senioren, doch noch für seine letzten Lebensjahre ein schönes Zuhause findet.

In diesem Sinne - herzliche Grüße Ihre Tierfreundin

Marion Hame

PS: Natürlich wünsche ich mir für jeden unserer Tierheiminsassen ein neues Zuhause, aber es gibt eben welche, die haben nicht mehr viel Zeit.

Junior

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