Betreuter Taubenschlag bei Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH eröffnet!

"Ich bin Leben, das leben will,
inmitten von Leben,
das Leben will."
(Albert Schweizer)

 

 

 

 

 

 

 

Beispielhaft löst der Reifenkonzern in der Brüder Grimm-Stadt Hanau das Problem der zahlreichen verwilderten Haustauben auf seinem Werksgelände durch eine artgerechte und ökologisch sinnvolle Bestandskontrolle nach dem erfolgreichen Stadttauben-Regulierungs-Konzept der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte.
Um den Taubenbestand in den Griff zu bekommen, wurde in einem geeigneten Gebäude ein offener Taubenschlag eingerichtet, der den Bedürfnissen der Tiere entspricht und die Kontrolle durch den Menschen ermöglicht. Die Tiere sollen sich künftig im Taubenschlag häuslich einrichten und in über 100 Brutboxen sowie auf zahlreichen Sitz- und Ruhegelegenheiten niederlassen. Um die vermehrungsfreudigen Picker dort sesshaft zu machen, gibt es ein "all-inclusive" –Programm: artgerechtes Körnerfutter, frisches Wasser, Vitamine, Mineralien und Nistmaterial. Für den Rundum-Service bezahlen die symbolträchtigen Luftakrobaten jedoch einen Preis: Ihre Eier in den Nistzellen. Das Gelege wird gegen Kunststoff-Attrappen ersetzt - die Tiere brüten darauf problemlos weiter.
Somit wird der Nachwuchs zu fast 100 % verhindert und die Population mittel- bis langfristig nachhaltig reduziert. Die artgerechte Fütterung und die regelmäßige Desinfektion des Schlages dient der Gesunderhaltung der Tiere. Da sie ihre Umgebung nicht mehr nach Futter bettelnd absuchen müssen, halten sie sich hauptsächlich im Schlag auf und setzen auch den Großteil ihres Kots dort ab. (Durchschnittlich 10 - 12 kg Kot produziert eine Taube im Jahr).
Dieser Kot ist wegen der artgerechten Fütterung trockener, ist leichter zu entfernen und verschont durch sein Verbleiben im Schlag die Umgebung.
Auch hier gestrandete Brieftauben haben die Möglichkeit zum "Auftanken" oder zum Bleiben.

Die ehrenamtliche Betreuung wird durch den Tierschutzverein Hanau gewährleistet.

Betreuung bedeutet im Einzelnen:

  1. Fütterung der Tiere mit artgerechtem Hartkörnerfutter und Sämereien
  2. Versorgung mit frischem Wasser, Vitaminen und Mineralien
  3. Gelegeaustausch durch Plastikattrappen
  4. Reinigung und Desinfizierung des Schlages
  5. Versorgung von erschöpften, kranken und verletzten Tieren
  6. Aufklärung, Beratung und Mithilfe bei Problembewältigungen

Wir bedanken uns bei Goodyear Dunlop Tires für diese tierfreundliche Entscheidung und über die herzliche Zusammenarbeit.

Ein weiterer Dank für hilfreiche Informationen geht an:

Frau Stefanie Laske (Bundesarbeitsgruppe Stadttauben – Bad Kreuznacher Modell)
Frau Dagmar Jansen (Stadt Esslingen – Esslinger Modell)
Frau Petra Klingler (Bundesarbeitsgruppe Stadttauben - Stadttaubenkonzept Tübingen) und
Herrn Rudolf Reichert (Bundesarbeitsgruppe Stadttauben – Augsburger Modell)

An dieser Stelle auch ein dickes Dankeschön für spontane Sach- und Futterspenden an:

Papageien-Auffangstation Fam. Kreische, Mühlheim
HM Taubenhaus, Nidderau
Igel-Insel, Mühlheim - www.igel-insel.de
Dr. Cosima Annemüller, Mühlheim
Petra Gavras & Heinrich Frey, Guntersblum - www.gf-tierische-objekte.de

An der Wurzel packt man Probleme an: Geburtenkontrolle durch Bindung der Tauben an Schläge und Austausch der Gelege

Tier-, Menschen- und Gebäudeschutz in einem – hiermit ist jedem geholfen. So wie es schon in vielen Städten erfolgreich gehandhabt wird – dort, wo man auch eine friedliche Ko-Existenz mit diesen Tieren beabsichtigt. Eigentlich eine ganz simple Lösung, die doch im öffentlichen Interesse jeder Stadt liegen dürfte. Auch wenn die Taubenpopulation noch nicht großstädtische Ausmaße angenommen hat, sind Taubenschläge sinnvoll, damit solche Zustände schon in ihrer Entstehung unterbunden werden.

Weder generelle Fütterungsverbote, noch kostenintensive Vergrämungs-Maßnahmen (Taubenspieße, Netze, Drähte) - die z. T. schlimmste Verletzungen und Verkrüppelungen bei den Tieren verursachen - können das Stadttaubenproblem lösen. Als so genannte Felsenbrüter benötigen sie Gemäuer ("Felsenersatz") – sie können nicht in die freie Natur vertrieben werden.
Abwehr-Maßnahmen, als einziges Mittel angewendet, verlagern nur das Problem und sorgen für einen Überbesatz auf benachbarten freien Flächen. Auch werden dadurch die Stadtvögel gezwungen Brutplätze dort aufzusuchen, wo sie sich weiterhin unkontrolliert vermehren können. Oft bleibt den Tieren nichts anderes übrig, als unter den schlimmsten Bedingungen im größten Schmutz zu brüten und dort auch ihre Jungen aufzuziehen. Die ganzjährige Brutbereitschaft (zwölf bis vierzehn Junge pro Taubenpaar jährlich) wurde vom Menschen angezüchtet und ist unabhängig vom Nahrungsangebot. Hungernde Straßentauben brüten im Sinne der Arterhaltung besonders stark.

Tötungsmaßnahmen sind inakzeptabel und haben langfristig gesehen keinerlei Wirkung, da die Restbestände durch so genannte "Notpopulation" in kürzester Zeit ihre ursprüngliche Anzahl wieder erreichen und verjüngen oder sich gar noch vergrößern. Zu den grausamen Folgen von Tötungen gehört auch, dass Nestlinge qualvoll verhungern, da für die Brutpflege beide Eltern unentbehrlich sind.
Kadaver von verhungerten Tieren verwesen in ihren Verstecken und ziehen Gesundheits- und Materialschädlinge an.

Artgerechtes Körnerfutter, daß die standorttreuen Tiere zur Gesunderhaltung benötigen, gibt es in den Städten nicht. Um nicht verhungern zu müssen, werden die Vegetarier gezwungen menschliche Nahrungsabfälle wie u. a. Pizza, Pommes, Backwaren, Fleisch-, Fisch- oder Wurstreste zu suchen. Viele Menschen fühlen sich durch hungernde, nach Futter bettelnde Tiere belästigt. Es ist wohl offensichtlich, dass Lebewesen, die auf Abfälle angewiesen sind keine gesunde Immunabwehr besitzen. Dies hat zur Folge, dass sie stark krankheits- und parasitenanfällig sind und zu Durchfallkot neigen, der wiederum zum Ärger von Hausbesitzern führt.

Der Ärger über Taubenkot-Verschmutzungen ist verständlich. Die Tauben aber für die Zerstörung von Denkmälern oder Gebäudefassaden verantwortlich zu machen ist ein ungerechtfertigtes Vorurteil. Hier sollte eher in Richtung menschliche Umweltverschmutzung recherchiert werden. Über eine besonders ätzende Wirkung des Taubenkots liegen keine Gutachten vor. Das Bayerische Amt für Denkmalpflege stellte fest, dass der Ph-Wert des Nasskots im neutralen bis schwach sauren Bereich liegt.
"Mit den unangenehmen Folgen des Taubenkots muss eine Gesellschaft, die ihrerseits Natur, Umwelt und Gesundheit in einem unvergleichlich höheren Maße gefährdet und zerstört, leben können." (Staatsanwaltschaft Offenburg, 1987)
Taubenkot von gesunden Tauben ist von geformter und festerer Konsistenz und wurde jahrtausendelang u .a. als wertvoller Taubenguano gehandelt. Zu diesem Zweck siedelte man die Tiere in Taubenhäusern und Taubentürmen an, wo sie ihren Kot hinterlassen haben. Noch heute wird in einigen Ländern Taubendungwirtschaft betrieben.

Ob man nun will oder nicht, man muss sich mit diesen Tieren arrangieren. Als verwilderte Haustiere sind sie auf die Fürsorge von uns Menschen angewiesen – durch die Domestikation bleibt die Verbundenheit der Tauben zum Menschen und seinem Umfeld bestehen. Ein Umstand, den also der Mensch zu verantworten hat und nicht die Tauben.

"Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen" (Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/96). "Den stärksten Anteil am Zuflug zu den vorhandenen Stadttaubenschwärmen haben heute verirrte und erschöpfte Brieftauben. Dies ist allein schon in der großen Zahl, aber auch der Streuung der verflogenen Tiere begründet." (Landesamt für Umweltschutz Baden-Württemberg 1995)

Die Anzahl der Stadttauben kann auch ohne Tierqual und Tötung reguliert werden.
Das Konzept der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben, dass als einziges dazu geeignet ist, das Stadttaubenproblem mittel- bis langfristig tierschutzgerecht und nachhaltig zu lösen, wird auch von den zuständigen Ministerien Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen empfohlen.

Das BAG-Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation zum Herunterladen (Teil A) sowie weitere Informationen über Stadttauben finden Sie unter:
www.stadttauben.de

Die Grausamkeit und die lebensverachtende Einstellung vieler Menschen diesen wehrlosen und unschuldigen Mitgeschöpfen gegenüber kennen keine Grenzen. Ist es uns Menschen wirklich nicht möglich, diesen harmlosen und friedfertigen Mitbewohnern Respekt und Ruhe zu gewähren? Werden denn keine Tiere mehr in unseren Städten geduldet?

Bitte setzen auch Sie sich für ein würdevolleres Leben dieser geschundenen Kreaturen in Ihrer Stadt ein, denn auch mit Stadttauben müssen wir ethisch vertretbar umgehen. Gehen Sie nicht achtlos an ihnen vorbei – Helfen Sie!

Wünschenswert wäre es, wenn mehr Taubenzüchter Mitverantwortung zeigen würden und sich an solchen Taubenschlag-Projekten beteiligen. Denn auch gestrandete Brieftauben werden in Städten mit generellen Fütterungsverboten dem elenden Hungertod ausgeliefert sowie von unbelehrbaren Taubengegnern und gewissen Interessengruppen als "Ratten der Lüfte", "Schädlinge" oder als "potenzielle Krankheitsüberträger" verunglimpft.

Holger Gross/Reinhard Berger, 07/2008


Bilder aus dem Taubenschlag

Seit Fertigstellung des Taubenschlags im Mai 2008 wurde das Taubenprojekt vom Tierschutzverein Hanau bis Ende März 2009 ehrenamtlich betreut.

Schnell hat sich unter den Tieren das Futter- und Nistplatzangebot im Schlag herumgesprochen. Ca. 250 Tiere sind während dieser Zeit von ihren ehemaligen Ruhe- und Nistplätzen in das neue Zuhause umgezogen, wo sie jetzt auch unter Kontrolle sind. Mehr als 550 frisch gelegte Eier wurden gegen Plastik-Attrappen ausgetauscht, auf denen die Vögel durchschnittlich 3-4 Wochen gebrütet haben. Unerwünschter Nachwuchs konnte so tierschutzgerecht verhindert werden, denn unter einer Überpopulation leiden nicht nur Menschen, Gebäude oder Produktionsmaterial, sondern auch die Tiere selbst. Auch Greifvögel wie Habicht oder Sperber sorgen außerhalb des Schlages für eine natürliche Bestandsdezimierung. Durch das Futterangebot im Schlag sind die Tiere auch nicht mehr dazu gezwungen, auf den Strassen, Plätzen und Balkonen in der Nachbarschaft  nach Nahrung (Abfällen) zu suchen. Auch hält sie das artgerechte Nahrungsangebot, frisches Trinkwasser sowie Sauberkeit im Schlag gesund. Sammelkotproben waren stets negativ (ohne Befund). Es konnten weder Parasiten-Eier, Chlamydien noch Salmonellen / Shigellen nachgewiesen werden.
28 verletzte bzw. kranke Tiere wurden tierärztlich behandelt bzw. gesund gepflegt. Es erfolgte bisher ein Zuflug von insgesamt 27 Brieftauben. Davon sind vier an Erschöpfungszuständen bzw. Verletzungen verendet, 14 Tiere davon blieben im Schlag und haben sich z.T. mit „Dunlop“-Tauben verpaart. Ihre jeweiligen Besitzer zeigten nur Interesse an ihrer Taube wenn sie von alleine in den Heimatschlag zurückfindet, auch wurden uns „Versager“ zum Verbleib oder als Braten „geschenkt“. Nur ein Züchter holte seine Brieftaube ab.

Seit April 2009 wird nun das Tauben-Projekt von Goodyear Dunlop Tires in eigener Regie weitergeführt. Ein Mitarbeiter ist von uns dementsprechend angelernt worden.

Wir danken Goodyear Dunlop Tires für das uns entgegengebrachte Vertrauen und für die wertvollen Erfahrungen, die wir in dieser Zeit im Umgang mit den friedlichen und sanften Wesen zusätzlich sammeln konnten. Für weitere Hilfe bzw. Problemlösungen stehen wir gerne nach wie vor zur Verfügung.

 

Holger Gross / Reinhard Berger, 04/2009

 

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